Regel Nr. 1: Zuständigkeitsbereich prüfen

Was ist dran an den Vor­ur­tei­len über Mit­ar­bei­ter öf­fent­li­cher Ver­wal­tun­gen? Kann es sein, dass es dort noch kras­ser zu­geht, als land­läu­fig behauptet?

Ich habe als El­tern­zeit­ver­tre­tung in ei­ner klei­nen Ge­mein­de­ver­wal­tung ge­ar­bei­tet. Als ich von mei­nem ers­ten Au­ßen­ter­min zu­rück­kam, woll­te ich das Er­leb­te mit mei­ner Kol­le­gin tei­len. Schon nach dem ers­ten Satz wur­de ich je­doch harsch un­ter­bro­chen. Ich sol­le doch bit­te nicht weitererzählen.

Denn sie habe wirk­lich kei­ner­lei per­sön­li­ches In­ter­es­se an die­ser Ge­schich­te. Das saß. Ich war per­plex, kaum je­mals war ich so vor den Kopf ge­sto­ßen. Nor­ma­ler­wei­se sind Ge­füh­le an­ste­ckend. Wer sich nicht zu­min­dest ein we­nig an­ste­cken lässt, wirkt kalt und ver­letzt den an­de­ren. Nicht min­der krass war die zwei­te Be­grün­dung. “Das fällt nicht in mei­nen Zu­stän­dig­keits­be­reich”, sag­te sie knapp. Was für eine Igno­ranz, ein Ver­hal­ten sondergleichen.

Aber im­mer­hin hat­te ich die obers­te Re­gel aus dem Hand­buch der öf­fent­li­chen Ver­wal­tung ge­lernt: Je­der er­le­digt nur das, was in sei­ner Stel­len­be­zeich­nung oder am ei­ge­nen Tür­schild steht (“Vor je­dem Hand­schlag wird der Zu­stän­dig­keits­be­reich ge­prüft.” oder – et­was ly­ri­scher: § 1 – Prü­fe, ob deins!”). Alle an­de­ren Auf­ga­ben wer­den an die Nach­bar­bü­ros wei­ter­ge­reicht, am bes­ten mit Ver­fü­gung, Stem­pel und Unterschrift.

Vie­le Wor­te lie­ßen sich über Sinn und Un­sinn von Ste­reo­ty­pen ver­lie­ren. Die An­ek­do­te zeigt, dass man­che doch wahr sind. Und lei­der hat­te ich recht: Die­ses Vor­ur­teil soll­te sich in den kom­men­den Mo­na­ten bei­na­he täg­lich bestätigten.

Lö­sung: Men­schen mit ei­nem gro­ßen Des­in­ter­es­se lau­fen ei­nem im­mer wie­der über den Weg. Da hilft es wohl nur, be­harr­lich mit gro­ßer Neu­gier in die Welt zu bli­cken und Nörg­ler und Blo­ckie­rer kon­se­quent links lie­gen zu lassen.

Letz­te Über­ar­bei­tung: Juni 2022